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 Betreff des Beitrags: Jagen, ja, aber bitte nicht bei mir!
BeitragVerfasst: 7. Juni 2015, 04:55 
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Die Jagt und das pseudoadelige Anspruchsgehabe auf Jagtrecht welches noch aus dem Jahre 1848 stammt, ist in Österreich bald Geschichte!


" Tobias Anderka besitzt einen kleinen Wald. Nun kämpft er bei den Behörden dafür, dass dort nicht mehr gejagt werden darf. Bekommt er recht, wackeln die Grundpfeiler des Jagdsystems. "

http://diepresse.com/home/panorama/oest ... 5/index.do



Zitat:
Nur damit Sie mich nicht missverstehen: Vegetarier oder gar Veganer bin ich nicht.“ Tobias Anderka aus Kaltenleutgeben bei Wien kennt die Vorurteile, die Jäger und ihre Kritiker gern strapazieren, dafür verwenden, um den jeweils anderen in die passende ideologische Schublade zu stecken. So entstanden in den Köpfen der staunenden Beobachter während der vergangenen Jahre Bilder, die ungefähr so aussehen: Auf der einen Seite blutrünstige Männer (und Frauen), die mit nervösem Finger am Abzug von Flinte oder Büchse kaum darauf warten können, das nächste Wildtier zu erschießen. Ihnen gegenüber stehen blasse Männer und Frauen aus der Stadt. Den Verzehr von Fleisch lehnen sie ab, und überhaupt haben sie ziemlich wenig Ahnung davon, wie das Ökosystem Wald im Europa des 21.Jahrhunderts funktioniert.

Mit genau solchen Bildern will Anderka jedoch nichts zu tun haben. Wer mit ihm spricht, wird regelmäßig daran erinnert. In seiner Auseinandersetzung mit der örtlichen Jagdgenossenschaft geht es dem 36-Jährigen um die Klärung ganz anderer Fragen. „Warum“, sagt er, „darf ich in einem angeblich freien Land nicht selbstständig über mein Eigentum bestimmen? Warum schreibt mir der Staat hierzulande vor, dass ich, obwohl ich das nicht will, auf meinem eigenen Grund und Boden wildfremde Jäger auf Tiere schießen lassen muss?“ Also, warum eigentlich?

Das hat mit dem österreichischen Jagdgesetz zu tun. Oder genauer, mit den neun Landesjagdgesetzen der Bundesländer. Der große Rahmen ist allen gemein, in den Details unterscheiden sie sich aber. Sozusagen zur DNA des Jagdrechts in Österreich gehört, dass im Prinzip jedes Grundstück im Land bejagt werden muss. Ausgenommen davon sind besiedelte Flächen, Friedhöfe, Verkehrsadern wie Straßen und Eisenbahnen oder Regionen rund um Erholungsheime.

Wer richtig viel Wald oder Wiesen besitzt (115 Hektar oder mehr), muss die Wildtiere darauf entweder selbst bejagen oder darf die Flächen – an wen er will – verpachten. Flächen von Eigentümern, die weniger haben, landen gemeinsam mit anderen in Gemeindejagden, deren Gremien das Jagdrecht in der Regel an Jagdgenossenschaften versteigern oder – per Gemeinderatsbeschluss – direkt vergeben. Und in genau so eine Gemeindejagd ist auch der eine Hektar Wald von Tobias Anderka eingegliedert.

Deutschland als Vorbild. Wie lang noch, das ist offen. So unwahrscheinlich ist es nämlich gar nicht, dass sich diese seit 1848 praktizierte Regelung bald selbst überholt. Anderka hat prominente Unterstützer. Sein Kampf um mehr Selbstbestimmung stützt sich immerhin auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Dieser hatte bereits 2012 in einem von einem deutschen Grundeigentümer geführten Verfahren festgestellt, dass Landbesitzer nicht verpflichtet werden dürfen, die Jagd auf ihren Ländereien zu dulden. Insbesondere dann nicht, wenn der Eigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Der EGMR stellte im Verfahren eine Verletzung des Schutzes des Eigentums fest.

Für Österreich hat das Urteil noch keine unmittelbare Auswirkung. Die jüngsten Entwicklungen in Deutschland zeigen jedoch, was auch hierzulande theoretisch möglich ist. Auf Basis des EGMR-Urteils änderte sich in unserem Nachbarland nämlich die Rechtsprechung der Gerichte. Beginnend mit einem Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichts wurden auf Antrag der Eigentümer seither hunderte Grundstücke als jagdfreie Zonen ausgewiesen.

Der eine Hektar Wald von Anderka im beschaulichen Kaltenleutgeben im Wienerwald könnte nun zum österreichischen Präzedenzfall werden. Der Ehemann, zweifache Vater und Hundehalter bekommt auch Unterstützung vom Österreichischen Tierschutzverein. Gemeinsam mit dem in der Tierschützerszene bekannten Unternehmer Christian Nittmann (Initiative zur Abschaffung der Jagd) will man Anderka ein Musterverfahren bis hin zum EGMR finanzieren.

Die Allianz der Jagdgegner ist damit eine bemerkenswert bunte. Während Anderka bürgerliche Freiheit und Selbstbestimmungsrecht im Fokus hat, kämpft Nittmann seit vielen Jahren und fast fanatisch gegen die Jagd an sich. Auf seiner Website appelliert er mit Bildern von Katzenjungen im Fadenkreuz direkt an die Emotionen von Tierfreunden. Dem Österreichischen Tierschutzverein hingegen ist vor allem der gesellschaftliche Zinnober der Jagd als Hobby ein Dorn im Auge. Die Organisation spricht sich deshalb für die totale Professionalisierung der Jagd aus.

Aber was, wenn Anderka andere folgen, er mit seinem Antrag auf Austritt aus der Gemeindejagd durchkommt? „Das würde unser jetziges System in seinen Grundfesten erschüttern.“ Heinz Gach, Landesjägermeister in der Steiermark und Präsident der Internationalen Jagdkonferenz ist sich sicher: Kommen die Kritiker der Jagd mit ihren Wünschen durch, wird das auch für Grundbesitzer negative Folgen haben. Die wenigen Flächen, auf denen schon heute die Jagd ruht, würden vom Wild nämlich geschickt dazu genützt werden, um sich zurückzuziehen und zu vermehren. Die Schäden – zum Beispiel durch Verbiss – bekämen jedoch auch jene zu spüren, die sehr wohl Mitglieder der Gemeindejagd sind.

Noch ist es nicht so weit. Derzeit bearbeitet die Bezirkshauptmannschaft Mödling den von Anderka eingebrachten Antrag. Wird er abgelehnt, folgt eine lange Pirsch durch den Dschungel der Paragrafen.


("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2015)


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BeitragVerfasst: 7. Juni 2015, 11:05 
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Ein bisschen Hintergrundinformation:

http://m.kurier.at/politik/paintball-nu ... en/717.342

Dem Herrn ging es nur auf den Zeiger, dass seine Paintballleidenschaft von den Herren in Lodenmäntel gestoppt wurde. Natürlich ist die Jagd in dieser Form ein Eingriff in persönliches Eigentum, aber was ist die Alternative?

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BeitragVerfasst: 7. Juni 2015, 20:32 
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Er braucht sein Grundstück nur Schalenwilddicht einzäunen, dann kann er es aus der Jagd ganz einfach heraus nehmen. Punkt Ende.

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BeitragVerfasst: 7. Juni 2015, 21:19 
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Da haben ein paar Schwachköpfe eine Lawine losgetreten.

Wenn er gewinnt braucht er keinen Zaun aufstellen sondern die Jäger viele Taschentücher.

Volltrottel

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Harry
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BeitragVerfasst: 8. Juni 2015, 08:05 
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Aber mal eine kurze Story von der anderen Seite: Meine Eltern wohnen in Kärnten am Berg. Durch das Grundstück fließt ein Bach, die Fischereirechte hat aber der ehemalige Graf im Tal...

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BeitragVerfasst: 8. Juni 2015, 09:45 
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lyhrenz hat geschrieben:
Aber mal eine kurze Story von der anderen Seite: Meine Eltern wohnen in Kärnten am Berg. Durch das Grundstück fließt ein Bach, die Fischereirechte hat aber der ehemalige Graf im Tal...

und?

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BeitragVerfasst: 8. Juni 2015, 09:48 
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Sehe eine Parallele zum Jagdausübungsrecht (oder auch nicht). Auch diese Regelung stammt aus vordemokratischer Zeit. Wollte den kritischen Diskurs anregen...

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BeitragVerfasst: 8. Juni 2015, 10:41 
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Kommt auf die Vereinbarungen an und ob diese Rechtens sind / waren. Glaube das ist im Einzelnen zu Beurteilen.

Im Jagdrecht ist es ganz eindeutig verankert, wie man sein Grundstück aus der Jagd heraus nehmen kann. Wenn man sich das objektiv und ohne eine ideologische Brille ansieht sollte eigentlich jeder die Sinnhaftigkeit erkennen. Man braucht sich aber nur die Unterstützer ansehen, dann sieht man von wo der Wind weht.

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BeitragVerfasst: 8. Juni 2015, 22:28 
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@lyhrenz

Gestohlen schmeckt's am besten ... ;-)

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 00:38 
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lyhrenz hat geschrieben:
Sehe eine Parallele zum Jagdausübungsrecht (oder auch nicht). Auch diese Regelung stammt aus vordemokratischer Zeit. Wollte den kritischen Diskurs anregen...

Sehe ich garnicht. (v.A. fließende) Gewässer sind mW fast ausnahmslos öffentliches Eigentum. Das einzige Recht am Wasser ist das Fischereirecht, das ist das Recht den Fischfang dort auszuüben. Eigentum an den Fischen wird erst mit dem Fang erworben, die gehören also niemanden. Schau mal beim Grundbuch ganz genau, ob der Bach tatsächlich auf eurem Grundstück ist, oder ob es eine eigene Parzelle ist.

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 08:03 
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@rhodium stimmt schon, nur traurig vom eigenen Grund zu stehlen.
@Georg: Nein ist keine eigene Parzelle, genau in der Mitte verläuft die Grenze zum Nachbarsgrundstück. Früher standen dort auf beiden Seiten Mühlen. Die Fischerei war früher so wie die Jagd ein hoheitliches Recht, das einem Bauern schlicht nicht zukam. Und auch heute ist man gezwungen seinen Grund zu verpachten oder Zäune zu ziehen statt sich selbst an der Jagd zu beteiligen, wenn man dem Jagdverein nicht genehm ist.

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 13:24 
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@aurum
Nein, fassen dürfen wir es nicht, Viehtränken und es als Kraftspender (für Mühlen oä )nutzen schon. Dass man das Wasser nicht einfach stauen darf ist eh klar, Rechte können nur so weit gehen, als sie in die Rechte Anderer nicht über Gebühr eingreifen.

BTT: Mit Jagdgegnern kann ich überhaupt nichts anfangen. Die Jagd ist in meinen Augen aus Gründen der Ökologie, aber auch des Brauchtums unverzichtbar und schützenswert. Landstriche von der Jagd völlig auszunehmen halte ich für schwachsinnig. Aber die de facto Enteignung der Grundeigentümer ist nicht in Ordnung. Wenn ein Grundeigentümer selbst Jäger ist, sollte ihm die Möglichkeit gegeben werden, auf seinem Grund das Jagdrecht auszuüben und auch ggf andere davon auszuschließen. Natürlich nur unter Einhaltung öffentlich rechtlicher Vorschriften.

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 13:47 
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Allerdings ist der Wald auch Naherholungsort. Ich bin mir gar nicht sicher, in wie fern man da lustig Zäune setzen kann, aber da wissen sicher die Leute vom Fach hier im Forum mehr.

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 14:19 
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@aurum

Da hast du Recht. Trotzdem halte ich es nicht für vernünftig Grundstücke generell von der Jagd auszunehmen. In begründeten Einzelfällen ja, zB im Fall des Klägers der in seinem Wald Paintball spielen möchte. Ansonsten stehen mE öffentliche Interessen entgegen. Ich finde nur, dass Eigentümer stärker eingebunden werden sollten, bzw Eigenjagden oder vielleicht auch selbstständige Verpachtung der Jagd bereits bei kleineren Grundstücken, zB ab 10 ha möglich sein sollten. Damit ist einerseits die Freiheit des Eigentums stärker geschützt, andererseits wird auch dem öffentlichen Interesse entsprochen. Denn wer eine Eigenjagd betreibt müsste sich auch an die Jagdgesetze und Vorschriften halten. Das jetzige System (mit kollektiver Vergabe durch die Gemeinde) lässt sich eigentlich aus dem Gesichtspunkt des Eigentumsschutz nicht rechtfertigen.

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BeitragVerfasst: 9. Juni 2015, 16:06 
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@aurum

Ja ich sehe das auch so. Vielleicht melden sich ja später auch Jäger zu Wort, die das anders sehen. Wäre interessant, mal so einen Standpunkt zu hören.

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