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 Betreff des Beitrags: Zeitliche Überlassung einer Waffe ?
BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 10:59 
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Registriert: 17. Januar 2017, 21:57
Beiträge: 67
Hallo !

Ich möchte euch fragen, wie bzw. was zu tun ist um von einem Schützenkameraden die Waffe im Haus zu haben.
Die Gun wird benötigt um entsprechende Munition zu fertigen, d.h. sie bleibt bei mir im Safe ein paar Tage.

Ein freier WBK Platz wird benötigt? (vorhanden)
Zwei Schreiben mit beider Unterschrift ? (ausreichend, wie sollte dieses aussehen?)

Vielen Dank!


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 12:14 
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Registriert: 16. November 2011, 18:41
Beiträge: 546
Für das Überlassen von Waffen gilt:

Vorraussetzung dafür ist allererstens, dass beide eine Berechtigung für die Innehabung und den Besitz der Waffe haben (kein Waffenverbot bei Kat. C+D, WP/WBK bei Kat. B). Bei Kat. B Waffen ist außerdem noch zu beachten, dass keine Stückzahlüberschreitung durch das Leihen eintritt.

Eine leihweise Überlassung einer Waffe mit Ausnahme der Vermietung durch Gewerbetreibende ist im Gesetz eigentlich nicht berücksichtigt. Allerdings ist es nicht verboten, eine Waffe zu leihen oder zu tauschen, Erwerbsberechtigung und gegebenfalls freier Platz auf der/dem WBK/WP vorrausgesetzt.

Vorgangsweise ist, ein Formular für die Überlassung einer Waffe auszufüllen und beim Verkaufspreis Leihgabe bis.. einzutragen. Damit wäre die Eigentumsfrage geklärt. Da eine Meldepflicht an die Behörde für Kat B. bzw Registrierungspflicht bei Kat C. an den Händler innerhalb von 6 Wochen besteht, wären natürlich beide gut beraten, die Waffe innerhalb der Frist wieder zurückzugeben/zurückzunehmen sofern noch keine Meldung/Umregistrierung erfolgt ist.

Ansonsten einfach die Meldung/Registrierung durchführen (kostet in Wahrheit nichts bei Kat B.) und ein Dokument erstellen, das die Eigentumsfrage festhält und eventuell auch den Umfang der Benützungserlaubnis klärt (Schießen oder nur Messen, Pflichten im Schadensfall, Veräußerungs- oder Weiterleihverbot). Unter Freunden sollte das aber kein wirkliches Problem sein.


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 16:15 
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Registriert: 4. Januar 2006, 21:32
Beiträge: 147
Exzellente Auskunft, lieber Lateiner!

Allerdings geht der Verkaufspreis die Behörde nichts an, den laß ich immer weg.


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 17:04 
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Registriert: 16. November 2011, 18:41
Beiträge: 546
Danke Franz! Ja den Verkaufspreis fülle ich auch nie aus. Ich wollte damit nur darauf hinweißen, dass Innehabung und Besitz und Eigentum drei verschiedene Dinge sind.

Innehabung einer Sache ist, etwas in seiner Macht oder in seinem Gewahrsam zu haben, aber ohne den Wille etwas zu behalten zu können.
Dazu zählt z.B. in Anwesenheit des Besitzers einer Waffe, die Waffe zum Probehalten oder Putzen nach dem Schießen am Wohnzimmertisch zu überreichen.

Der Besitzer hat im Gegensatz zum Inhaber das Recht und den Wille, eine Sache als die Seine zu betrachten. Dies bedeutet, dass der Gesetzgeber den Besitz einer Sache zb bei Verlust der Zuverlässigkeit ausschließen kann.

Eigentum ist das umfassendste dingliche Recht an einer Sache, über diese Sache nach Willkür zu verfügen und jeden anderen davon auszuschließen. Im Gegensatz zum Eigentum steht der Besitz als faktische Sachherrschaft über eine Sache.

Im Normalfall ist der Besitzer durch Erwerb auch der Eigentümer einer Waffe. Bei der Leihung einer Waffe geht die Waffe in den Besitz des Beliehenen über, nicht aber das Eigentum.
Da im Falle einer Veräußerung der neue Besitzer auch der neue Eigentümer einer Sache wird, ist es notwendig und sinnvoll, die Eigentumsfrage an der Waffe am Dokument auch festzuhalten. Eine Leihung ginge natürlich auch ohne, aber mit allen Konsequenzen. Sollte nämlich aber aus unvorhersehbaren Gründen beispielsweise die Zuverlässigkeit des Besitzers verloren gehen, so würde das Eigentum an der Waffe durch Einzug an den Staat fallen. Ist auf dem Dokument jedoch das Eigentum des Leihers an der Waffe vermerkt, hätte der Eigentümer das Recht und die Möglichkeit, seine Waffe trotz Verlust der Zuverlässigkeit des Besitzers zurückzubekommen. Selbiges würde auch auf den Fall des Todes des Besitzers zutreffen, wenn die Waffe(n) in die Erbmasse wandern.

PS: Nicht vergessen! Der Gesetzgeber legt seit der letzten oder vorletzten Novelle die Innehabung als Besitz aus und damit ist es nicht mehr erlaubt, jemanden unberechtigten seine Waffe zum Probehalten etc zu überreichen.


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 17:45 
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Registriert: 17. Januar 2017, 21:57
Beiträge: 67
Danke für diese ausführliche Information, wenn ichs auch 2x lesen muss um es komplett zu verstehen ;)

Gäbe es eine Vorlage eines solchen Schreibens?


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 18:17 
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Registriert: 23. März 2010, 19:19
Beiträge: 3348
Wohnort: 1210 Wien
Also, ich handhabe das, wie folgt wenn ich mir den Revolver meiner Frau ausborge:Fr. E.SOUSEK, gab. am xxx, wohnhaft:XXX WBK-Nr. XXX
überläßt Hrn. K.SOUSEK, geb. am XXX wohnhaft XXX, WBK-Nr.XXX ihre Kat.B-FFW, S&W, Modell 686, Seriennummer: XXX Kaliber .357Mag.
Datum und Unterschrift...
Auf der zweiten Hälfte des DIN A-4-Blattes: Hr. K.SOUSEK, geb. am XXX, wohnhaft XXX, WBK-Nr.XXX überläßt Fr. E.SOUSEK seine Kat.B-FFW
FN-Modell M-35, Seriennummer:XXX, Kal. 9 mm-Para.
Datum und Unterschrift
So haben wir keine Überschreitung der und genehmigten Stückzahl. Dieses Dokument ist theoretisch 6 Wochen gültig...
grüsse
sousek, 718


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 18:42 
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Registriert: 16. November 2011, 18:41
Beiträge: 546
Es ließt sich möglicherweise komplizierter als es eigentlich ist. Wichtig ist nur zu wissen, dass die Begriffe im Gesetz unterschiedlich weit reichende Bedeutungen haben.

Der Gesetzgeber geht im Grunde davon aus, dass es durch das Überlassen einer Schusswaffe nicht nur zum Wechsel der Waffe in den Besitz eines neuen Besitzers kommt, sondern auch in dessen Eigentum übergeht, so wie es eben im Falle eines Verkaufs oder einer Schenkung der Fall ist. Bei einer Leihung ist dies aber ausdrücklich nicht der Wunsch des Eigentümers der Waffe und deswegen sollte dies auf dem Dokument der Überlassung einer Schusswaffe vermerkt werden. Der Begriff des Überlassens definiert die Eigentumsfragen nicht, sondern es geht hier vielmehr um die Frage der Haftung und Berechtigung für den Besitz einer Sache.

Formulare kann dir jede BH in Österreich per email zukommen lassen. Die sind in der Regel froh wenn man ein anständiges Dokument mit vollständigen Angaben zur Hand hat. Es gibt weiters vermutlich ein Duzent Vorlagen für das Überlassen einer Schusswaffe im Netz. Manche sind besser manche sind weniger gut.
Im Grunde reicht ein handgeschriebener Zettel wie Sousek sagt, mit den in des §28 WaffG geforderten Angaben zu Waffe und Personen.
https://www.jusline.at/gesetz/waffg/paragraf/28

Mit Datum Ort und Unterschrift bestätigen beide Personen die Gültigkeit ihrer Angaben und des Vertrags.


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BeitragVerfasst: 8. Dezember 2017, 21:00 
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Registriert: 17. Januar 2017, 21:57
Beiträge: 67
Super! Vielen Dank euch!!


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BeitragVerfasst: 11. Dezember 2017, 09:14 
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Registriert: 4. Januar 2006, 19:53
Beiträge: 3511
Zitat:
Der Besitzer hat im Gegensatz zum Inhaber das Recht und den Wille, eine Sache als die Seine zu betrachten.
Das mit dem "Recht" gilt nur für den redlichen Besitzer. Der unredliche Besitzer hingegen zeigt den Besitzwillen auch im Widerspruch zur geltenden Rechtslage (das Spektrum reicht bei beweglichen Sachen von "Fundverheimlichung" bis "Raubmord").

Innehabung = Sachherrschaft ohne Besitzwillen; Besitz = Sachherrschaft mit Besitzwillen; Eigentum = Rechtstitel an einer Sache.

_________________
MgNr 3730

„Lösungen mathematischer Probleme werden nicht durch Abstimmung entschieden.“ – Marilyn vos Savant

"Ich trage eine Waffe weil mir ein Polizist zu schwer ist."

"L'Etat n'est plus nous."


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