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 Betreff des Beitrags: Waffenpässe für Jäger
BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 12:44 
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SID – Republik Österreich
GZ: 4600/06

St. Pölten, am 13.04.2006

Mag. Reischer, Chefinsp.
Abteilung 1
Sicherheits- und Kriminalpolizeiliche Abteilung
Neue Herrengasse 15
A-3100 St. Pölten
Tel.: +43-2742-207-356430
Fax: +43-2742-207-356222


An alle Bezirkshauptmannschaften in NÖ
Die Magistrate der Städte Krems/Donau
Waidhofen/Ybbs
Die Bundespolizeidirektionen St. Pölten
Schwechat
Wr. Neustadt
nachrichtlich: das Amt der NÖ Landesregierung




Betreff: Regelung der Vorgangsweise bei Ausstellung von Waffenpässen für Jäger bei den
Waffenbehörden 1. Instanz in NÖ


Wie die Erfahrung zeigt, werden bei den verschiedenen Waffenbehörden 1. Instanz in NÖ unterschiedliche Vorgangsweisen bei der Ausstellung von Waffenpässen für Jäger angewandt.
Während bei manchen Waffenbehörden grosso modo die Vorlage der Jagdkarte und eine Bestätigung des Landesjagdverbandes, dass es im jeweiligen Revier Schwarzwild gibt, ausreicht – stellen andere Waffenbehörden wiederum auf ein tatsächliches Bedrohungsszenario ab.

Die Sicherheitsdirektion für das Bundesland Niederösterreich geht davon aus, dass eine Bedarfsprüfung gemäß § 22 Abs. 2 WaffG 1996 unumgänglich notwendig ist.
Um geeignete Parameter für diese Bedarfsprüfung zu finden wurde das Amt der NÖ Landesregierung, Gruppe Land- und Forstwirtschaft, Abteilung Forstwirtschaft (kurz Landesforstdirektion) um ein Sachverständigengutachten in Form einer jagdfachlichen Stellungnahme ersucht.
Zur Fragestellung der SID für NÖ wurde nachstehend angeführte jagdfachliche Stellungnahme abgegeben:

a) ab welcher Abschusszahl kann man von einem „Saurevier“ sprechen?
Siehe nachfolgende Zusammenstellung!

b) Trifft die Notwendigkeit für FFW auch für Jäger mit Ausgehschein (also eigentlich Jagdgäste) zu? Bei gegebenem Bedarf (z.B. „Schwarzwildjäger“) durchaus

c) Benötigt der Jäger unbedingt eine genehmigungspflichtige Schusswaffe oder findet er für den Fangschuss auch mit anderen Waffen, wie zum Beispiel Langwaffen mit Flintenlaufgeschossen das Auslangen?
Fangschüsse können sehr wohl auch mit anderen Waffen
abgegeben werden, jedoch erlaubt die Faustfeuerwaffe schnelleres
und auf kurze Distanzen exaktes Visieren und bringt somit
Vorteile.
Insbesondere bei Nachsuchen im Dickicht (oft auf allen Vieren!)
sind Langwaffen nachteilig was insbesondere beim wehrhaften
Schwarzwild zu sehr gefährlichen Situationen führen kann.
Im Übrigen wird die Jagd auf Schalenwild üblicherweise mit
Büchsen durchgeführt, weswegen das Mitführen einer zweiten
Langwaffe (Flinte mit Flintenlaufgeschoß) als nicht praktikabel
bewertet wird.

d) Ist die Verwendung von den angeführten Flinten mit Flintenlaufgeschossen der Verwendung von FFW gleich zu bewerten?
Nein, da neben schwieriger Zielerfassung mit der Langwaffe auch
die Problematik eines zumeist unzureichenden Kugelfangs für die
schweren Geschoße und die Gellergefahr berücksichtigt werden
muss.

e) Welche jagdliche Stellung sollte jemand haben, um tatsächlich den Bedarf zum Führen einer FFW vorauszusetzen? (ausgenommen Jagdaufsichtsorgane, denn hier ist die Rechtslage ohnehin eindeutig)
Siehe nachfolgende Zusammenstellung!

Ein Nachweis für den jagdlichen Bedarf zum Führen von Faustfeuerwaffen ist jedenfalls erbracht, wenn der Antragsteller eine der folgenden Funktionen innehat:



Jagdaufsichtsorgan: Dienstausweis

Bereichshundeführer: Bestätigung des Landesjagdverbandes über die Eintragung in die Liste der Bereichshundeführer

Hundeführer mit jagdlich geprüftem Hund: Zeugnis über die Absolvierung einer vom Österreichischen Jagdgebrauchshunde-Verband veranstalteten Gebrauchsprüfung

Eigenjagdberechtigter eines Schwarzwildrevieres:Jagdgebietsfeststellungsbescheid, Abschusslisten


Pächter, Jagdleiter oder Jagdgesellschafter eines Schwarzwildrevieres: Pachtvertrag, Abschusslisten


Schwarzwildjäger: Jagderlaubnisschein, Abschusslisten


Ein Schwarzwildrevier ist ein Jagdgebiet, in dem in den vergangenen 5 Jahren jährlich Schwarzwild erlegt wurde.
Ein Schwarzwildjäger ist ein Jäger, der in den vergangenen 5 Jahren mindestens 5 Stück Schwarzwild erlegt hat.
Die SID für NÖ geht davon aus, dass die Gefahrenlage, der am zweckmäßigsten mit Waffengewalt wirksam begegnet werden kann, zwingend gegeben sein muß.
Es kann nach ho Ansicht nicht ausreichen, dass im NÖ Jagdgesetz normiert ist, dass der Fangschuss auf Schalenwild und Haarraubwild erlaubt ist, da hier die im WaffG geforderte Gefährdungslage nicht im Ansatz erkannt werden kann.
Anders verhält es sich bei der Nachsuche nach Schwarzwild, da unbestritten Schwarzwild unter bestimmten Voraussetzungen sehr wehrhaft sein kann.
Aufgrund der eindeutigen Diktion des § 22 Abs. 2 WaffG sind daher nachstehende Parameter für die Ausstellung von Waffenpässen an Jäger zu berücksichtigen:

a) Es muss ein Schwarzwildrevier vorliegen (in den vergangenen 5 Jahren muss jährlich Schwarzwild erlegt worden sein)

b) Schwarzwildjäger (er muss in den vergangenen 5 Jahren mindestens 5 Stück Schwarzwild erlegt haben oder nachweislich bei der Nachsuche beteiligt gewesen sein);

c) Er muß Eigenjagdberechtigter, Jagdleiter oder Jagdgesellschafter eines Schwarzwildreviers sein, bzw. das permanente Ausgehrecht in einem Schwarzwildrevier haben;

d) Hundeführer mit jagdlich geprüftem Hund, bzw. Bereichshundeführer

Die Punkte a, b und c müssen jedenfalls kumulativ vorliegen.
Hundeführer benötigen den Nachweis, dass sie tatsächlich zur Nachsuche nach Schwarzwild eingesetzt wurden und werden.

Bei Jagdaufsichtsorganen genügt die Vorlage des Dienstausweises.

Mit den vorgenannten Parametern wurde vom BMI auch die Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände befasst und führen diese aus, dass diese Kriterien für die Beurteilung eines Bedarfs für die Verwendung einer Schusswaffe der Kat. B nachvollziehbar und sinnvoll sind.

In Abstimmung mit dem BMI Abt. III/3 eignet sich, im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens zur Ausstellung eines Waffenpasses für Jäger, die Einbeziehung der oben genannten Parameter in die Überlegungen, ob ein Bedarf im Sinne des § 22 Abs. 2 WaffG 1996 vorliegt.



Sicherheitsdirektor:

i.V.


HR Dr. Rudolf SLAMANIG e.h.


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 Betreff des Beitrags: Brief an Innenministerin Prokop
BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 12:47 
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Beiträge: 432
Wien, 19.07.2006

Frau
Bundesminister für Inneres
Liese Prokop
Herrengasse 7
1010 Wien


Betrifft: Waffenpässe für Jäger, Sicherheitsdirektion Niederösterreich


Sehr geehrte Frau Bundesminister!


Der IWÖ liegt ein Schreiben des Sicherheitsdirektors für Niederösterreich vom 13.4.2006 über die Ausstellung von Waffenpässen an Jäger vor. Es ist alle Waffenbehörden Niederösterreichs gerichtet.

Die Sicherheitsdirektion stellt in diesem Schreiben zunächst fest, daß bei der Ausstellung von Waffenpässen eine Bedarfsprüfung gem. § 22 Abs2 WaffG erforderlich sei, und daß diese Bedarfsprüfung von verschiedenen Waffenbehörden in verschiedener Weise erfolgt. Das ist zweifellos richtig.

Im gegenständlichen Schreiben wird nun eine Reihe von „Parametern“ für diese Prüfung aufgestellt, die diese Sicherheitsdirektion mit Hilfe des Amtes der NÖ.Landesregierung, Landesforstdirektion erarbeitet hat.

Hiezu muß festgestellt werden, daß die Frage der Ausstellung von Waffenpässen für Jäger im Erlaß des Bundesministeriums für Inneres, GZ. 13000/1114-III/3/04, eindeutig und klar geregelt ist. Es wird darin empfohlen, eine Bestätigung des jeweiligen Landesjagdverbandes anzufordern, daß der Ansuchende die Jagd zumindest zeitweise ausübt und dafür die Verwendung einer genehmigungspflichtigen Schusswaffe zweckmäßig und zulässig ist. Vom Erfordernis eines „Saurevieres“ ist dabei nicht die Rede und auch nicht, daß die NÖ Forstdirektion hiebei als begutachtende Behörde heranzuziehen wäre. Die Forstdirektion ist dafür nicht berufen, das wäre einzig und allein der jeweilige Landesjagdverband gewesen.

Das Schreiben widerspricht somit dem obzitierten Erlaß eindeutig. Es ist sowohl inhaltlich, wie auch formell fehlerhaft. Daß im Schreiben erwähnt wird, es sei in Abstimmung mit dem BMI Abt.III/3 erfolgt, ist bemerkenswert, weil man wohl annehmen muß, daß die Abt.III/3 ihren eigenen Erlaß kennt.

Sachlich sei dazu festgestellt, daß ein Jäger Bedarf für eine Faustfeuerwaffe nicht nur für die Nachsuche nach Sauen hat. Auch bei anderen Nachsuchen ist der Einsatz einer FFW nützlich, sinnvoll und geboten. Der Jäger ist verpflichtetet, auch sonstiges verletztes Wild (etwa durch

den Straßenverkehr) schmerzlos zu töten, er ist auch auf Grund des Jagdgesetzes allein dazu berechtigt. Dabei ist oft wegen der zu befürchtenden Umfeldgefährdung eine FFW einzusetzen. Bei Tollwutfällen scheiden auch andere, jagdlich zulässige Möglichkeiten aus. Der Jäger kann auch nicht bei allen seinen Reviergängen die Langwaffe mitführen. Das betrifft etwa Fütterungen, Fallennachschau und bloße Kontrollgänge. Der Jäger kann auch in Notwehrsituationen gelangen, weil er sich notgedrungen oft allein in abgelegenen Gegenden aufhält, wo eine Konfrontation mit Straftätern leicht möglich ist.

Für andere Jagdarten ist der Einsatz einer Selbstladeflinte (auf Flug- und Wasserwild) oder einer Selbstladebüchse (auf alles Schalenwild), unabhängig von einem Schwarzwildbestand im Revier, durchaus sinnvoll.

Diesen Umständen hat der oben erwähnte Erlaß des BMI Rechnung getragen, der unseres Wissens auch nicht außer Kraft gesetzt wurde. Die Initiative der Sicherheitsdirektion Niederösterreich steht im Widerspruch zu diesem Erlaß und ist dazu geeignet, die Rechte der Jäger auf Selbstverteidigung und korrekte, sichere, tierschützerische Jagdausübung einzuschränken.

Die IWÖ richtet daher an das Innenministerium das dringende Ersuchen:

1. Die Sicherheitsdirektion Niederösterreich aufzufordern, bei der Erteilung von Waffenpäs-
sen an Jäger dem Erlaß des BMI, GZ. 13000/1114-III/3/04, entsprechend vorzugehen;

2. den Sicherheitsdirektor aufzufordern, sein Schreiben vom 13.4.2006 als gegenstandslos zu
erklären; und

3. die nachgeordneten Waffenbehörden davon in Kenntnis zu setzen, daß ausschließlich nach
obgenanntem Erlaß des BMI vorzugehen ist.


Mit besten Grüßen und vorzüglichster Hochachtung






Univ.Prof. i.R Dr. Franz Császár
Präsident
Dr. Georg Zakrajsek
Generalsekretär
Prof. DI. Mag. Andreas O. Rippel
Schriftführer


Zuletzt geändert von IWÖ-Zentrale am 21. Juli 2006, 12:52, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Brief an Mag. Molterer
BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 12:48 
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Beiträge: 432
Wien, 19.07.2006
ZVR-Nr.: 462790102
DVR: 0932191

Herrn
Klubobmann Mag. Wilhelm Molterer
ÖVP-Parlamentsklub
1017 Wien

Betrifft: Nationalratswahl 2006, Waffenrecht



Sehr geehrter Herr Klubobmann!


In ein paar Monaten wird der Nationalrat gewählt und es stellt sich die Frage, wie sich diesmal die österreichischen Waffenbesitzer entscheiden werden. 1999 und uch 2002 haben sich die meisten von diesen für die ÖVP entschieden, die Parteigänger der SPÖ unter den Waffenbesitzern sind entweder der Wahl ferngeblieben oder haben ungültig gewählt, weil sie mit ihrer Partei in der Frage des legalen Waffenbesitzes nicht einverstanden waren. Die Erfolge der ÖVP und die Verluste der SPÖ sind zu einem Gutteil darauf zurückzuführen. Immerhin geht es hier um ein Potential von einer Million Stimmen, über 160.000 davon haben für die IWÖ eine schriftliche Unterstützungserklärung abgegeben.

In den vergangenen Wahlgängen waren die Fronten klar und deutlich: Die ÖVP stand zum legalen Waffenbesitz und lehnte alle diesbezüglichen Verschärfungen ab, die SPÖ war für ein Verbot des privaten Waffenbesitzes. Die Wahlentscheidung war also für jemanden, der Waffen besitzt und sie behalten möchte, nicht besondern schwer.

Wie vor jeder Wahl fragen uns auch diesmal unsere Mitglieder, wie sie sich bei der Wahl entscheiden sollen und wie die einzelnen Parteien zum legalen Waffenbesitz stehen. Wir haben die Fragen formuliert und an die Parteien weitergegeben. Das BZÖ hat unverzüglich geantwortet, ebenso die FPÖ und wir haben auch von der SPÖ bereits eine ausführliche Stellungnahme erhalten. Zu diesen Erklärungen ist nichts weiter zu sagen. Darin wird im wesentlichen die Haltung bestärkt, die früher die FPÖ bereits eingenommen hatte.

Bemerkenswert ist aber der Brief der SPÖ, in welchem Bundesgeschäftsführer Darabos eine Abkehr von der Waffenverbotslinie ankündigt. Für die zahlreichen Jäger, Sportschützen, Waffensammler und sonstigen legalen Waffenbesitzer, die der SPÖ nahe stehen, ist nun diese Partei plötzlich wieder wählbar geworden.

Leider hat sich die ÖVP bis dato noch nicht zu den Fragen geäußert. Sollte eine solche Antwort aber kommen, müßte abgesehen von den Erklärungen, die jeder gut beratene Parteistratege vor einer Wahl abgibt, bei der ÖVP ein zusätzlicher Maßstab angelegt werden. Immerhin war in den letzten sechs Jahren das Innenressort mit ÖVP-Ministern besetzt, erst Strasser, nun Prokop. Man muß daher auch beurteilen, wie sich die Führung des Innenministeriums durch die ÖVP für die Besitzer legaler Waffen ausgewirkt hat. Und diese Bilanz fällt – mit Verlaub - vernichtend aus.

Das Wesentlichste kurz:

Bei der Bundespräsidentenwahl haben die Waffenbesitzer die Kandidatin der ÖVP unterstützt. Grund dafür waren hauptsächlich die positiven Erklärungen von Frau Ferrero-Waldner zum legalen Waffenbesitz und vor allem die Tatsache, daß der damalige Innenminister Strasser einen Runderlaß bezüglich des einheitlichen Vollzuges des Waffengesetzes versprochen und ihn auch verfügt hat. Sie selbst, sehr geehrter Herr Mag . Molterer, waren daran maßgeblich beteiligt.

Dieser Runderlaß ist allerdings Papier geblieben und wurde nicht umgesetzt. Viele Waffenbehörden haben weiter das Gesetz willkürlich, bürgerfeindlich und sogar gesetzeswidrig vollzogen. Das Ministerium hat das reaktionslos hingenommen. Zahlreiche Vorsprachen von Vertretern der IWÖ im Ministerium sind in dieser Hinsicht völlig ergebnislos geblieben, eine Einwirkung auf untergeordnete Waffenbehörden wurde verweigert.

Die bescheidenen Wünsche der IWÖ, gesetzwidrige Verordnungen zu reparieren oder Ungereimtheiten aus den Verordnungen zu entfernen, sind allesamt ignoriert worden. Auch die Anträge der Jäger auf gesetzeskonforme Freigabe mancher Jagdwaffen sind seit etwa zehn Jahren schubladisiert und werden nicht einmal einer Antwort gewürdigt.

Insgesamt ist der Vollzug des Waffengesetzes viel restriktiver geworden. Seit dem Amtsantritt der Frau Bundesministerin Prokop hat sich die Situation weiter verschlechtert. Waffenpässe werden von manchen Behörden fast nicht mehr ausgestellt, obwohl die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Bewerber um eine Waffenbesitzkarte werden zum Amtsarzt geschickt und der gesetzlich festgelegte Grund der Selbstverteidigung wird einfach nicht mehr anerkannt. Bei Verlassenschaften wird das Gesetz ignoriert, auch Strafanzeigen gegen Verstorbene(!) wurden angedroht. Und der letzte Streich ist ein Erlaß der Sicherheitsdirektion NÖ, in dem weitere, nicht gesetzlich gedeckte Hürden für die Erlangung von Waffenpässen für Jäger aufgestellt werden.

Das alles hat sogar traditionelle ÖVP-Wähler in unseren Reihen sehr erbittert. Viele sind der Ansicht, daß sie von der ÖVP zuerst benutzt und dann verraten und verkauft worden sind und bei objektiver Betrachtung aller Umstände kann man dagegen gar nicht sehr viel sagen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, das zu reparieren. Verärgerte Wähler sind nur schwer zu überzeugen und noch schwerer zurückzugewinnen.

Ich habe diesen Brief geschrieben, weil ich mich gerne daran erinnere, wie Sie sich bei der Erlangung des Runderlasses für die legalen Waffenbesitzer eingesetzt haben. Sie tragen auch sicher keine Schuld an dieser Entwicklung, die ich persönlich als Auswirkung der ÖVP-typischen Indolenz ansehe. Aber geschehen muß etwas. Und zwar noch rechtzeitig vor der Wahl.

3 Beilagen


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Georg Zakrajsek


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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 12:52 
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Beiträge: 432
Wien, 19.07.2006



Betrifft: Waffenpässe für Jäger



Sehr geehrter Herr Landesjägermeister!


Der IWÖ wurde ein Schreiben der Sicherheitsdirektion Niederösterreich übermittelt, das mit der Bitte um Kenntnisnahme vorgelegt wird.

In diesem Schreiben setzt der Sicherheitsdirektor NÖ den von uns allen mühsam erstrittenen Erlaß, GZ. 13000/1114-III/3/04, faktisch außer Kraft, indem er für die Erlangung von Waffenpässen sogenannte „Parameter“ aufstellt, die zusammen mit der Forstdirektion NÖ erarbeitet wurden. Im Ergebnis wird damit der im Erlaß des Innenministeriums den Landesjagdverbänden zukommenden Begutachtungsmöglichkeit sistiert und durch behördlicherseits verordnete „Parameter“ ersetzt.

Es muß dabei nicht eigens auf die inhaltliche Unsinnigkeit dieser „Parameter“ hingewiesen werden. Jeder Fachmann weiß, wie wichtig, ja lebenswichtig eine Faustfeuerwaffe für den Jäger auch in anderen jagdlichen Situationen ist und daß dies keinesfalls auf „Saureviere“ beschränkt sein kann. Darüber hinaus besteht auch jagdlicher Bedarf nach Selbstladeflinten und –büchsen.

Ganz abgesehen davon widerspricht es einer grundlegenden Intention des Waffengesetzes, dass sich ein Jäger zuerst fünf Jahre hindurch einer Gefahr auszusetzen hat, ehe ihm gestattet wird, dieser wirksamer zu begegnen.

Empörend ist aber, daß hier eine im bestehenden Erlaß festgeschriebene, wichtige Kompetenz der Landesjagdverbände beseitigt worden ist. Für die IWÖ ist daher auch der Beisatz im Erlaß der Sicherheitsdirektion NÖ nicht erklärlich, daß in dieser Frage die Zentralstelle der Österreichischen Landesjagdverbände befaßt gewesen sein soll. Für uns ist nämlich nicht vorstellbar, daß die Vertretung der Jäger an der Beseitigung wichtiger Kompetenzen, die im ureigensten Interesse der Jäger liegen, selbst mitgewirkt haben sollte.

Die IWÖ hat daher ein Schreiben an die Frau Bundesminister für Inneres gerichtet, das ebenfalls in Kopie beigelegt ist und in dem das Befremden über die Vorgehensweise der Sicherheitsdirektion NÖ deutlich ausgesprochen wird.

Es steht außer Zweifel, daß in dieser Angelegenheit etwas unternommen werden muß. Das sollte wohl auf politischer Ebene geschehen, weil nach unserer Erfahrung die Beamten der Abt III /3 des BMI in diesen Fragen überhaupt keine Kooperationsbereitschaft zeigen.

Eine gemeinsame Besprechung aller Landesjägermeister mit der IWÖ wäre daher dringend erforderlich. Es besteht sonst die Gefahr, daß der Vorstoß der Sicherheitsdirektion NÖ nicht der einzige bleibt, der zum Schaden aller Jäger erfolgt.



2 Beilagen

Mit besten Grüßen und Weidmannsheil






Univ.Prof. i.R Dr. Franz Császár
Präsident
Dr. Georg Zakrajsek
Generalsekretär
Prof. DI. Mag. Andreas O. Rippel
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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 13:46 
Die Schreiben sind ganz hervorragend verfasst. Ich bin selbst zwar kein Jäger, aber das Verhalten der Beamten in NÖ ist bezeichnend für das Gehabe der Obrigkeit gegenüber dem Untertan. Man muss nachweislich mindestens fünf Wildschweine erlegen und sich dabei in Gefahr begeben, bevor man gnädigerweise ein effektives Schutzmittel, eine Faustfeuerwaffe, zugesprochen erhält? Jemanden, der solche Vorschriften erfindet, sollte man mit nassen Fetzen aus dem Amt jagen.

Die Art der Reaktion der Innenministerin wird meine Wahlentscheidung im Oktober wesentlich mitbestimmen.

Trenck


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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 13:47 
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Zitat:
Die Schreiben sind ganz hervorragend verfasst. Ich bin selbst zwar kein Jäger, aber das Verhalten der Beamten in NÖ ist bezeichnend für das Gehabe der Obrigkeit gegenüber dem Untertan. Man muss nachweislich mindestens fünf Wildschweine erlegen und sich dabei in Gefahr begeben, bevor man gnädigerweise ein effektives Schutzmittel, eine Faustfeuerwaffe, zugesprochen erhält? Jemanden, der solche Vorschriften erfindet, sollte man mit nassen Fetzen aus dem Amt jagen.

Die Art der Reaktion der Innenministerin wird meine Wahlentscheidung im Oktober wesentlich mitbestimmen.

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Als "Kleinbürger mit Abstiegsängsten" bezeichnet die Gesinnungspresse Menschen, die ihr Leben mit Arbeit verbringen, aber keine Neigung verspüren, für noch mehr fremder Leute Rechnungen aufzukommen.
Michael Klonovsky


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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 15:10 
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Ich halte die Aussage "...mindestens fünf Stück Schwarzwild erlegt haben...", bevor man gnädigerweise um einen Waffenpass ansuchen darf um sich zu schützen, für eine geniale Methode um Österreichs Jäger auszurotten bzw. zu dezimieren.

Da hat ein Beamter wirklich scharf nachgedacht und für sein Gehalt etwas geleistet. Der Mann gehört mit dem größtmöglichen Orden ausgezeichnet.

Selten so gelacht! :D

cowroper

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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 16:37 
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Das ist ja noch ausbaufähig. Man könnte zB von Anwärtern für Jagdkarten verlangen, daß sie vorher in höchstens fünf Jahren unter Betreuung eines gerichtlich beeideten Hundeführers mindestens fünf angeschossene Sauen niedergerungen und für den Fangschuß festgehalten haben, bevor sie selber überhaupt ein Schießgewehr in die Hand nehmen dürfen. Rückwirkend und stellvertretend für den Rest der Jägerschaft müssen auch dicke Landesjägermeister die Probe ablegen.


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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 16:45 
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Vielleicht sind da Traditionalisten in der SD NÖ am Werk, die uns den Gebrauch von Saufeder und Hirschfänger wieder vermitteln - sprich: aufs Auge drücken - wollen.

Würde doch etwas hermachen, wenn die Waidkollegen so ausgestattet ausrücken würden..

8)


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BeitragVerfasst: 21. Juli 2006, 22:11 
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Als "Normalbürger" muß man sich ja auch erst überfallen lassen, bevor man überhaupt über ein Ansuchen auf einen WP stellen kann.

Nachdem es nurmehr für wenige Bürger möglich ist einen WP zu bekommen, hat man wahrscheinlich in der SID NÖ die Gefahr gesehen, dass jetzt Personen, die einen WP brauchen, ihn aber auf normalen Weg nicht bekommen, die Jagdprüfung machen und über diesen "Umweg" doch noch zu einen WP kommen.

BF

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BeitragVerfasst: 22. Juli 2006, 00:21 
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Zitat:
Vielleicht sind da Traditionalisten in der SD NÖ am Werk, die uns den Gebrauch von Saufeder und Hirschfänger wieder vermitteln - sprich: aufs Auge drücken - wollen.
Erst Ringkampf, dann Saufeder! Ob "aufs Auge drücken" dabei erlaubt sein soll, müßte noch diskutiert werden. Aber wir sind ja immer gesprächsbereit. Ich finde ja überhaupt, der Jäger sollte erst ein Großkalibergewehr kaufen dürfen, wenn er vorher in fünf Jahren fünf Wühlmäuse mit dem Flobertgewehr erlegt und auf dem Amt vorgezeigt hat. Ob Mopedfahrer auch gelten, müßte noch überlegt werden. Aber wir sind ja gesprächsbereit.


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BeitragVerfasst: 22. Juli 2006, 09:00 
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Wenn man, wie es in manchen zivilisierten Staaten der Fall sein soll, Behörden für die Folgen verweigerter Bewilligungen verantwortlich machen könnte ( in unserer Demokratur ja unmöglich ) , sähe es vielleicht anders aus..


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BeitragVerfasst: 24. Juli 2006, 11:16 
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Guten Morgen!

Was mich am meisten wundert ist die Reaktion, besser gesagt die nicht-Reaktion, der Landesjägermeister.
Sind diese Herren so abgehoben, dass sie solche Dinge nicht mehr interessieren?
Mir ist –als Nicht-Jäger- nur einer dieser Oberjäger dem Namen nach bekannt und das auch nur in seiner Eigenschaft als Mitglied der Adabei- und Seitenblicke Gesellschaft. Da gibt er allerdings nahezu fast täglich seinen Senf zu allen Sachen dazu.

Kann natürlich möglich sein, dass ihm deshalb für seine Jäger keine Zeit mehr bleibt.

cowroper

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SASS # 66906, NRA # 168015547


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BeitragVerfasst: 24. Juli 2006, 12:02 
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Es wäre interessant zu wissen, wie die Landesjägermeister zum Thema WP für Jäger stehen? Immerehin haben die unsere Interessen zu vertreten und haben auch einen gewissen Einfluss auf die Politik (der steirische LJM beisbielsweise ist Landtagsabgeordneter der -nona- ÖVP)!

Könnte man denen nicht eine Ähnliche Anfrage zukommenlassen wie den Parlamentsparteien??? Halt nicht nur zum Waffenbesitz allgemein sondern zum Thema WP für Jäger.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24. Juli 2006, 12:29 
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Registriert: 4. Januar 2006, 20:08
Beiträge: 812
Zitat:
Könnte man denen nicht eine Ähnliche Anfrage zukommenlassen wie den Parlamentsparteien??? Halt nicht nur zum Waffenbesitz allgemein sondern zum Thema WP für Jäger.
Könnte man vermutlich, aber das würde so ausschauen, als ob die IWÖ Front gegen die Landesjagdverbände machen würde, und das wäre eher ungünstig.


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