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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 30. Dezember 2019, 13:05 
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Neues Sturmgewehr für die Bundeswehr

Die Suche der deutschen Armee nach einer „eierlegenden Wollmilchsau“

Die Niederlage der österreichischen Nordarmee bei Königgrätz im Jahr 1866 führte die Bedeutung effizienter Infanteriewaffen drastisch vor Augen. Die von Helmuth von Moltke geführten Preußen verfügten damals über moderne Hinterlader, das „Zündnadelgewehr“, System Dreyse, während die Österreicher mit dem zwar präziser und weiter, aber mit weit geringerer Feuerfolge schießenden Lorenz-Vorderlader ausgerüstet waren. Der taktische Vorteil des Hinterladers besteht neben dem geringeren Zeitaufwand zum Nachladen darin, dass der Ladevorgang liegend vorgenommen werden kann, während Vorderladerschützen zum Laden aufstehen oder zumindest eine hockende Haltung einnehmen müssen – und somit ein gutes Ziel bieten.

Seit dem Deutschen Krieg hat sich auf dem Gebiet der Infanteriebewaffnung viel getan. Die Umstellung von Schwarzpulver auf rauchlose Treibladungen („Nitropulver“) und die Einführung der heute noch gebräuchlichen Metallpatronen setzten Meilensteine. Mit den modernen Pulverladungen gingen eine deutliche Steigerung der Geschossgeschwindigkeit und eine drastische Kaliberreduktion einher – von zuvor 15,43 Millimetern beim Dreyse-Gewehr auf 7,92 Millimeter beim Mauser-Gewehr 98.

Die Ära der mechanischen Repetiergewehre in starken Kalibern mit großer Reichweite reichte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Wehrmacht nutzte bis Kriegsende den Mauser Karabiner 98, einen fünfschüssigen Repetierer mit Zylinderverschluss im heute noch jagdlich gebräuchlichen Kaliber 8x57 IS. Die US-Armee verfügte zu dieser Zeit bereits über Selbstladegewehre des Typs Garand M1, der den Springfield M1903-Repetierer im gleichen Kaliber (.30-06 – leistungsmäßig der deutschen Patrone 8x57 IS ebenbürtig) abgelöst hatte. Der Umstieg auf automatische Infanteriewaffen brachte eine enorme Steigerung der infanteristischen Feuerkraft mit sich, rief aber auch, bedingt durch den erhöhten Munitionsverbrauch, neue Herausforderungen für die militärische Logistik hervor.

Die deutsche Bundeswehr führte ab 1959 das Sturmgewehr Heckler & Koch G3 ein, eingerichtet für die Nato-Patrone 7,62x51. Die zuverlässige und präzise schießende Waffe wurde auch in einigen anderen Armeen verwendet und in 15 Staaten in Lizenz produziert.

In den USA kam es 1967 während des Vietnamkriegs zum Umstieg von der Selbstladebüchse Springfield M14 im Kaliber .30-06 auf das wegen anfänglicher Qualitätsmängel berüchtigte, von Colt Defense produzierte Sturmgewehr M16, das für die Patrone 5,56x45 eingerichtet ist, die ab 1980 zum neuen Nato-Standard wurde.

Die deutsche Bundeswehr hielt indes noch lange an der „alten“ Nato-Patrone und dem G3 fest. Erst 1997 kam es zum Umstieg auf das ebenfalls von Heckler & Koch entwickelte Sturmgewehr G36 im neuen Nato-Kaliber. Der Vorteil der kleineren Munition besteht im viel geringeren Rückstoß und darin, dass der Schütze bei gleichem Munitionsgewicht etwa die dreifache Zahl an Patronen mitführen kann.
Ursula von der Leyen mal wieder ...

Nachdem sich die Truppe – auch bei Kampfeinsätzen in Afghanistan – mit den Leistungen des G36 zufrieden gezeigt hatte, tauchten vor einigen Jahren Berichte über mangelhafte Trefferbilder bei heißgeschossenen Waffen auf, was schließlich – ohne die Ergebnisse technischer Überprüfungen abzuwarten – zum Entschluss der Verteidigungsministerin von der Leyen führte, die Waffe zu ersetzen. Seit April 2017 läuft die Ausschreibung, und die könnte sich hinziehen, da bislang alle eingereichten Angebote durchgefallen sind.

Wieder wird – wie einst bei den F-104-Starfightern unseligen Andenkens – eine „eierlegende Wollmilchsau“ gefordert: Das Gewehr soll alle Erfordernisse sämtlicher Waffengattungen abdecken, robust und leistungsstark sein und dabei unter 3,6 Kilogramm wiegen – was etwa so einfach ist, wie einen Mittelklassewagen zu konstruieren, der 1,5 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbraucht.
Fazit: Wo Steuergeld im Spiel ist, werden suboptimale Entscheidungen getroffen. Immer. Überall. Im Fall des Nachfolgers des bewährten G36 ist es nicht anders als damals bei Königgrätz. Es geht heute um immerhin 245 Millionen Euro.

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv dort publizierten Beiträgen in der Jan.-Feb.-Ausgabe
eigentümlich frei Nr. 199.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 18. Februar 2020, 19:06 
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Waffenrichtlinie und Rechtssicherheit

Rückwirkende Eingriffe des Gesetzgebers in bestehende Rechtsverhältnisse sind problematisch. Totale Konfusion kann die Konsequenz unbedachter Initiativen sein, wenn bestimmte Sachverhalte nicht hinreichend berücksichtigt werden.

Die Rede ist von einer in nationales Recht umzusetzenden Vorgabe der Europäischen Union (Richtlinie 2017/235), in der sich die Nomenklatura um die Gefährlichkeit von Magazinen mit großem Fassungsvermögen sorgt. Von der Richtlinie betroffen sind Magazine für Waffen der Kategorie B – also solche für Selbstladepistolen und –Büchsen. Für erstere wird das zulässige Fassungsvermögen auf 20, für letztere auf 10 Patronen limitiert. Seit Mitte Dezember sind derartige Teile aus den Angeboten des (legalen) Waffenfachhandels verschwunden. Ab sofort fallen „große“ Magazine in die „Kategorie A“ – Kriegsmaterial und verbotene Waffen. Simple Blech- oder Plastikteile, von denen keinerlei Gefahr ausgeht, werden vom Gesetzbegeber somit Panzerfäusten und Feldhaubitzen gleichgestellt. Genial!

Besondere Probleme ergeben sich aus der rechtlichen Behandlung jener Magazine, die von ihren Besitzern vor Inkrafttreten der Richtlinie rechtmäßig erworben wurden und die nun zu verbotenem Kriegsmaterial werden. Wird man dieser Tage bei den für Waffenangelegenheiten zuständigen Behörden Auskunft heischend vorstellig, stößt man auf Ratlosigkeit. Die Beamten verschanzen sich hinter Hinweisen auf lange Übergangsfristen (die Rede ist von zwei Jahren), binnen derer alle Details des Umgangs mit diesen nun illegalen Waffenteilen geklärt werden sollen. Es sei davon auszugehen, dass an bestehendem Besitz nicht gerüttelt wird – an Enteignungen sei nicht gedacht. Man weiß aber nichts Genaues. Wenn das Problem mit dem von den Behörden in Waffenangelegenheiten bisher gezeigten Sachverstand angegangen wird, sind jedenfalls die schlimmsten Befürchtungen gerechtfertigt.

Tausende Waffenbesitzer, die sich nicht der Mühe unterziehen, jeder Laune des Gesetzgebers Aufmerksamkeit zu schenken, werden von der Änderung keine Kenntnis erlangen und daher durch diese Kapriole des Gesetzgebers unwissentlich in die Kriminalität gedrängt. Denn der Besitz von verbotenen Waffen oder Kriegsmaterial stellt nämlich keine bloße Verwaltungsübertretung dar, sondern bildet einen Straftatbestand. Wer nach einem Beispiel sucht, wie man aus rechtschaffenen Bürgern Kriminelle macht: hier ist es.

Abgesehen davon steckt der Teufel auch in den Details der EU-Richtlinie. Sie richtet sich, wie gesagt, gegen „große“ Magazine für halbautomatische Waffen. Nun bietet der einschlägige Handel aber zahlreiche Zubehörteile an – unter anderem Magazine –, die gleichermaßen in Waffen der Kategorie C (Büchsen ohne Selbstladefunktion), wie auch in solche der Kategorie B passen. Als Beispiel sei die Remington 7615 Police Repetierbüchse genannt, die Magazine der halbautomatischen Büchse AR 15 aufnehmen kann – auch solche mit einem Fassungsvermögen von 20 oder mehr Patronen. Der Besitz solcher Magazine für ein Repetiergewehr bleibt weiterhin gesetzlich unbedenklich und ist wohl auch nicht meldepflichtig. Schafft sich deren Eigentümer aber nun eine Kategorie-B-Waffe an, die diese Magazine ebenfalls aufnehmen kann - was dann? Mutiert dadurch der Halbautomat zum Kriegsmaterial? Oder billigt der Gesetzgeber dem Eigentümer zu, diese Magazine ausschließlich an seine C- nicht aber an seine B-Waffe anzustecken?

Wie rasch die Angebotsseite auf Gesetzesänderungen reagiert, wird übrigens daran deutlich, dass – kaum dass die Richtlinie in Kraft ist – auch schon Waffen auftauchen, die die neuen Regeln unterlaufen. Die Rede ist etwa vom Tavor „Bullpup“-Gewehr israelischer Provenienz, die mit einer Länge von nur 59 cm nicht als Büchse, sondern als Faustfeuerwaffe gilt und für die daher „lange“ Magazine (mit bis zu 20 Schuss Kapazität) weiterhin zulässig sind.

Dass sich um die beschriebenen Einschränkungen gewaltbereite Gangster nicht im Geringsten scheren werden, liegt auf der Hand. Es geht daher – wieder – um eine Schikane für kreuzbrave Untertanen.

Beiliegender Text von Andreas Tögel ist soeben in der Ausgabe Nr. 200 des ef-Magazins erschienen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 18. Februar 2020, 19:21 
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Die ganze Magazin-Materie ist noch lange nicht ausjudiziert. Es fehlt die WaffG-Durchführungsverordnung.

Wenn man gut unterrichteten Quellen Glauben schenken darf, dann ist die türkis-grüne Regierung aber gar nicht gewillt mit einer WG-DVO Rechtssicherheit zu schaffen. Man wartet lieber zu, um so Waffenbesizter, die sich im Gesetzesnetz verfangen, mit brutaler Härte des Gesetzes zu entwaffnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 16. März 2020, 20:10 
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Wozu Waffen in Privathand?

Früher oder später sieht sich jeder Waffenbesitzer mit der Frage „wozu brauchst du ein Schießeisen?“ konfrontiert. Allenfalls Jägern wird der Besitz von Feuerwaffen ungefragt zugebilligt, besonders deshalb, weil die Jagd mit Armbrust oder Pfeil und Bogen hierzulande (anders als in den USA) verboten ist.

Wozu also eine Waffe? Abgesehen von der in der Frage zum Ausdruck kommenden Anmaßung, darüber befinden zu wollen, was ein anderer „braucht“ (niemand fragt, wozu jemand seidene Unterwäsche oder einen Brillantring braucht), erhebt sich augenblicklich die Gegenfrage, wer denn keine braucht oder besitzt. Die Rede ist nicht von Feuerwaffen oder anderen Gegenständen, die „nur zum Töten gemacht“ wurden, sondern von Dingen, die jedermann im Haus hat und die selbstverständlich als Waffe eingesetzt werden können. In erster Linie sind das die in jedem Haushalt vorhandenen Messer. Auch das sind Waffen. Spätestens seit dem Beginn der Massenweinwanderung aus Afrika und dem Orient sollte jedermann klar sein, dass Messer jene Objekte sind, die bei Bluttaten am weitaus häufigsten zum Einsatz kommen. Kaum ein Tag vergeht ohne Messerangriff.

Der Umstand, dass Messer Gegenstände des täglichen (Küchen-)Bedarfs sind, tut nichts zur Sache. Sie sind überall problemlos erhältlich, schnell zur Hand, gut zu verbergen, lautlos einzusetzen und in der Hand eines geübten „Fachmannes“ absolut tödlich. Interessanterweise widmet ihnen aber weder der Gesetzgeber, noch die ansonsten stets alarmierungsbereite Journalistenzunft auch nur einen Gedanken. Woran das liegen mag? Weil Messer, Äxte, Hämmer Feilen und schwere Kristallaschenbecher eben nun einmal da sind und man nichts dagegen tun kann?

Weshalb das öffentliche Interesse und der Regelungs- und Verbotsfuror des Politbüros sich so einseitig auf Feuerwaffen richtet, erscheint angesichts der vorliegenden Bluttatenstatistiken, in denen Feuerwaffen so gut wie keine Rolle spielen – besonders die legal erworbenen nicht – jedenfalls rätselhaft.

Doch zurück zur Eingangsfrage. Die Motive für den Waffenbesitz sind breit gefächert. Die Jagdausübung und der Wunsch, sich im Fall der Fälle gegen einen Angriff wehren zu können, liegen auf der Hand. Doch ob diese beiden Anliegen die Mehrzahl der privaten Waffenbesitzer umtreiben, ist zweifelhaft. Denn so wie viele Zeitgenossen Briefmarken, Bierdeckel, französische Rotweine oder Oldtimerfahrzeuge sammeln, interessieren sich andere eben für - meist historisch interessante - Feuerwaffen. In der Tat bilden Waffen ja eine Sonderform des Maschinenbaus und können an Technik interessierte Zeitgenossen allein durch ausgeklügelte Konstruktionsdetails begeistern. Viele Sammler erfreuen sich an ihrem Besitz, ohne damit jemals einen scharfen Schuss abgegeben zu haben oder das zu beachsichtigen. Die „aus Sicherheitsgründen“ für Sammlerwaffen immer wieder auftauchende Forderung nach einer „Kastration“ solcher Waffen (durch Verschweißen des Laufes, Ausschleifen des Stoßbodens am Verschluss, usw.) ist eine haarsträubende Zumutung. Es ist, als ob man Sammler von alten Fahrzeugen dazu nötigen wollte, die Motoren und Getriebe oder andere wesentliche Bauteile ihrer Fahrzeuge vorsorglich zu zerstören, um sicherzustellen, dass sie nie wieder bauartgemäß bewegt werden können.

Eine besonders große Gruppe von Waffenbesitzern begeistert sich für den Schießsport in all seinen Varianten: vom Biathlon über das Wurftaubenschießen, Präzisionsbewerbe für Langwaffen (etwa das aus den USA kommende „Benchrestschießen“) bis hin zu dynamischen Bewerben, bei denen verschiedene Lang- und Kurzwaffenarten zum Einsatz kommen. Wer selbst niemals in einer dieser Disziplinen aktiv war, kann nicht ermessen, wie viel Freude das gezielte Schießen und Treffen machen kann.

Die Mehrzahl der privaten Waffenbesitzer gibt in ihrem Leben weder einen Schuss auf einen Menschen ab, noch hat sie das im Sinn. Fazit: der Besitz einer Feuerwaffe liefert ebenso wenige Gründe für einen Generalverdacht, wie der eines Messers.

Beiliegender Text von Andreas Tögel ist soeben im ef-Magazins erschienen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 17. April 2020, 10:57 
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Waffenrechtsdebatte

„Wenn Waffen verboten sind, haben nur noch Verbrecher Waffen“ (NRA)

Auch wenn die Gegner von Waffen in Privathand in den in den letzten Jahre die Schlagzahl erheblich erhöht haben und jeden denkbaren Vorwand dazu nutzen, gegen das Recht auf Selbstverteidigung zu polemisieren, so sind Bestrebungen zur Entwaffnung der Bürger – zumindest in Europa – dennoch keine Erfindung der Neuzeit.

Schon in der Antike, zur Zeit der griechischen Polis und der römischen Republik, war es nur den freien Bürgern erlaubt, Waffen zu besitzen und zu tragen. Für Unfreie – Sklaven – war der Waffenbesitz dagegen strikt verboten. Damit sollte sichergestellt werden, dass allfällige Erhebungen der weitgehend Rechtlosen gegen die Herrschenden keinesfalls zum Erfolg führen. Den Spartacusaufstand anno 73 v. Chr. vermochten diese restriktiven Regeln indes nicht zu unterbinden.

Die bis heute wirkungsmächtigen Ideen Thomas Hobbes´ („Der Leviathan“, 1651) sind bis heute auch für die Waffengesetzgebung von Bedeutung. Wer, wie Hobbes, im Menschen des Menschen Wolf erblickt (was für die meisten der von ihrer moralischen Überlegenheit überzeugten Intellektuellen bis heute typisch ist), wird sich den Wolf zahnlos wünschen und nur der vermeintlich über außergewöhnliche geistige und moralische Qualitäten verfügenden politische Elite und deren Schergen den Waffenbesitz zugestehen. Andenfalls würde ja, so die Überzeugung dieses Kindes des englischen Bürgerkriegs, der Kampf aller gegen alle auf der Tagesordnung stehen und das Leben dementsprechend „scheußlich, brutal und kurz“ sein. Hobbes´ Ideen folgen schon der Logik, wenn auch einer totalitären. Sein Leviathan beflügelt bis heute die Allmachtsansprüche der meisten Regierenden.

Stets waren es die Schwachen, die ihr Recht auf Waffenbesitz vom übermächtigen Staat einforderten. Solange die Sozialisten, heute die vehementesten Kritiker der Privatbewaffnung, den Staat nicht vollständig durchdrungen und erobert hatten, warfen sie sich ganz entschieden für Volksbewaffnung ins Zeug. In einer „Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März“ verkündeten Marx und Engels im Jahre 1850: „Die Bewaffnung des ganzen Proletariats mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt… werden.“ Auf dem Hainfelder Gründungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie im Jahre 1888 traten die Genossen für den Ersatz des stehenden Heeres durch die allgemeine Volkbewaffnung ein. Warum wohl? Weil auf der Hand liegt, dass sich nur der Wehrhafte gegen die Übergriffe der herrschenden Klasse mit Erfolg erheben kann.

Heute, in der Spätzeit des Wohlfahrtssozialismus, da die Sozialisten sowohl die absolute Deutungshoheit, wie auch die Gewalt im Staat errungen haben, wollen sie davon nichts mehr wissen. Heute vertrauen sie nur noch auf die Waffen in der Hand des von ihnen kontrollierten Apparates. In der Alten Welt (außerhalb der noch immer verhältnismäßig freisinnig verfassten Schweiz) wird dem Bürger heute kein uneingeschränktes Grundrecht auf Waffenbesitz – auf Selbstverteidigung – zugestanden. Wozu auch? Der omnipräsente Staat sorgt ja von der Wiege bis zur Bahre für seine Mündel – und besonders für deren Schutz vor sich selbst.

In den USA, wo das Grundrecht auf Waffenbesitz im zweiten Verfassungszusatz explizit garantiert ist, an dem sich der Entwaffnungsfuror der Linken bis heute die Zähne ausbeißt, ist das gänzlich anders. Wer dort mit dem Gedanken zur Entwaffnung rechtschaffener, mündiger Bürger kokettiert, begeht – trotz ebenfalls linkslastiger Massenmedien - politischen Selbstmord.

Seit Jahrzehnten befinden sich die Befürworter eines möglichst freien Zugangs zum Waffenbesitz in der Defensive. Es ist mittlerweile zur Routine geworden, sie für die wenigen mit Schusswaffengewalt begangenen Verbrechen mitverantwortlich zu machen. Doch wer öffentlich für Waffen in Privathand eintritt, tut das nicht in der Absicht, seinen Mitmenschen zu schaden. Wer so viel Mut zeigt, hat auch Charakter und will Schaden abwenden statt ihn zu verursachen.

Dieser Beitrag ist erschienen im ef-Magazin, Ausgabe 202.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 18. April 2020, 07:16 
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Wieder ein sehr guter Beitrag. Danke Franz fürs Teilen.

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Lieber Gott, bitte schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden schütze ich mich selbst!

Pirker Dietmar Nr. 6928


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 18. April 2020, 16:42 
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Zitat:
Wieder ein sehr guter Beitrag. Danke Franz fürs Teilen.
Gibt es Probleme, wenn dieser (bzw. ein ähnlicher) Beitrag in Auszügen oder gesamt in andere Foren (z. B. Standard, Krone) zitiert wird (natürlich mit Quellenangabe)?


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 18. April 2020, 18:42 
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Ich selber beziehe die Texte direkt vom Autor mit seiner persönlichen Genehmigung und der Bedingung der Quellenangabe, wo der Artikel erschienen ist.

Z.B.:
Dieser Beitrag ist erschienen im ef-Magazin, Ausgabe 202.


Ich werde beim Autor rückfragen!


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 22. April 2020, 13:19 
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Beiträge: 291
Konrad,

Andreas Tögel hat mir soeben geschrieben, dass seine Texte für jedermann grundsätzlich frei verwendet werden können. Er bitte lediglich um eine Quellenangabe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 22. April 2020, 15:56 
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Beiträge: 179
Zitat:
Er bitte lediglich um eine Quellenangabe.
Ist eine Selbstverständlichkeit!

Besten Dank für deine Bemühung!


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 13. Mai 2020, 13:48 
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Beiträge: 291
Mit dem Artikel

Wozu Waffen in Privathand?

hat es Andreas Tögel in "Unterwegers Tagebuch" (5. Mai 2020) geschafft.

Die ist um so bemerkenswerter, als A U nicht unbedingt zu den Waffenfreunden zu zählen ist.

https://www.andreas-unterberger.at/m/20 ... vathandij/


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 24. Mai 2020, 15:37 
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Der Krieg als Vater aller Dinge

Wunderwaffen und ihre „Erfolge“


Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Jedermann kennt Heraklits Zitat. Über seine Interpretation streiten die Gelehrten. Fest steht, dass Kampf und Krieg seit Urzeiten den Menschen begleiten und dass seine Fähigkeit zum Kampf die Verfügbarkeit dazu geeigneter Mittel voraussetzt. Entwicklung und Einsatz überlegener Waffen hatten zweifellos einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf den Gang der Geschichte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff „Wunderwaffen“ von der nationalsozialistischen Propaganda dazu eingesetzt, um den Durchhaltewillen der Volksgenossen zu heben, nachdem sich ab 1942/43 die militärischen Rückschläge zu häufen begannen. Gemeint waren überlegene Erfindungen deutscher Physiker und Ingenieure, die der Wehrmacht technische Vorteile gegenüber ihren Gegnern verschaffen sollten. Als herausragende Beispiele seien genannt: die Entwicklung des ersten einsatzfähigen Düsenjägers, der Messerschmitt 262, oder das als V2-Rakete in die Militärgeschichte eingegangene „Aggregat 4“, das erste von Menschenhand geschaffene Objekt, das den Weltraum erreichte. Für viele Entwicklungen wie den Nurflügler Horten H IX (Ho 229) kam das Kriegsende indes zu früh. In seinem Fall blieb es beim Bau von Prototypen. Allen deutschen „Wunderwaffen“ war am Ende gemein: zu wenig, zu spät. Strategische Bedeutung oder entscheidenden Einfluss auf den Kriegsverlauf konnte keine dieser Waffen entfalten.

Jenseits des Atlantiks, in Los Alamos in New Mexico, wurde ab 1942 an der Entwicklung einer anderen „Wunderwaffe“ gearbeitet, die gegen das Dritte Reich eingesetzt werden sollte. Sie wurde im Sommer 1945 dann allerdings über zwei japanischen Städten abgeworfen – die Atombombe. Das zum Bau einer Nuklearwaffe aufgesetzte „Manhattan-Projekt“ war die größte und kostspieligste Rüstungsanstrengung, die bis zu diesem Zeitpunkt je unternommen wurde. Unter der Führung Robert Oppenheimers versammelten sich die besten Wissenschaftler und Ingenieure, die den USA zur Verfügung standen. Den Einsätzen der Uranbombe „Little Boy“ gegen Hiroshima und der Plutoniumbombe „Fat Man“ gegen Nagasaki kam keine militärische Bedeutung zu. Vielmehr ging es um zynische Versuche an lebenden Zielen und um eine Machtdemonstration im sich bereits abzeichnenden Kalten Krieg als Nachfolgekonflikt.

Blickt man in die Überlieferungen militärischer Auseinandersetzungen zurück, findet man viele Fälle, in denen militärische Erfolge dem Einsatz überlegener Waffen zu verdanken waren. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel bildet das „Griechische Feuer“ (Seefeuer) – ein Vorläufer des modernen Flammenwerfers. Von „Dromonen“ genannten Kriegsschiffen aus wurde eine entflammte, brennbare Flüssigkeit mittels doppelwirkender Pumpen (Siphons) auf gegnerische Schiffe gespritzt, was auf hölzerne Galeeren verheerend wirkte. Der Einsatz des „Griechischen Feuers“ gegen die Schiffe der arabischen Belagerer Konstantinopels in den Jahren 674 bis 678 brachte den christlichen Verteidigern schließlich den Sieg und trug dazu bei, den Bestand Ostroms für weitere rund 900 Jahre zu sichern.
Als eine weniger spektakuläre, aber nicht minder wirkungsvolle „Wunderwaffe“ erwies sich der legendäre englische Langbogen. Im Verlauf des Hundertjährigen Krieges gegen Frankreich (1337 bis 1453) wurden beispielsweise die Schlachten von Crécy (am 26. August 1346) und Azincourt (am 25. Oktober 1415) maßgeblich durch den Einsatz der bis über 200 Meter weit wirkenden Langbögen entschieden. Der Abschuss von „Pfeilwolken“ durch die gut trainierten englischen Bogenschützen, die bis zu zehn Pfeile pro Minute verschießen konnten, hatte, dank der hohen Durchschlagskraft dieser Projektile, eine verheerende Wirkung – selbst gegen gepanzerte französische Kavallerie und Fußtruppen. Der Effekt dieser Waffe ist mit jenem einer Sprenggranaten verschießenden, leichten Artillerie zu vergleichen.

Und heute? Ob aktuelle Entwicklungen wie der russische Superkavitationstorpedo „Schkwal“, der mit bis zu 370 Kilometer pro Stunde (!) läuft und die Seekriegsführung revolutionieren könnte, auch die Bezeichnung „Wunderwaffe“ verdienen, wird sich erst zeigen. Im Einsatz nämlich.

Dieser Text ist soeben in der Ausgabe Nr. 203 des ef-Magazins erschienen


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 Betreff des Beitrags: Re: Andreas Tögel
BeitragVerfasst: 17. Juni 2020, 11:23 
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Beiträge: 291
Wahre Wehrhaftigkeit

Über Sicherheit und Freiheit


Admiral Yamamotos Feststellung, wonach Japan mit seinem Überfall auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor „einen schlafenden Riesen geweckt“ habe, ist weithin bekannt. Dem Oberkommandierenden der Flotte des japanischen Kaiserreiches verdanken wir aber auch das folgende, weniger bekannte Zitat: „Sie können nicht das Festland der Vereinigten Staaten erobern. Hinter jedem Grashalm steckt ein Gewehr.“

USA und Japan
Der Karrieremilitär kannte seinen späteren Feind von zwei in den 1920er Jahren absolvierten Aufenthalten in den USA. Dabei lernte er nicht nur die gewaltige industrielle Kapazität, sondern auch den beachtlichen Wehrwillen der Amerikaner kennen, der nicht – wie in seiner Heimat – auf dem Gehorsam gegenüber der Regierung und widerspruchsloser Unterordnung unter deren Anordnungen basiert, sondern auf dem Wunsch jedes einzelnen Bürgers nach Freiheit und Unabhängigkeit. Yamamoto gab sich daher, nachdem im Kaiserreich die Entscheidung für den Angriff auf die USA gefallen war, keiner Illusion über den zu erwartenden Ausgang des Krieges hin: die Niederlage Japans. Die einzig erfolgversprechende Möglichkeit sah er allerdings in einer Art pazifischen Variante des in Europa von den Deutschen bis 1941 so erfolgreich geführten „Blitzkriegs“. Mit einer Serie ebenso überraschender wie vernichtender Schläge sollten Fakten geschaffen werden, auf deren Basis die USA bereit sein würden, Japan die Initiative im Pazifik zu überlassen.

Wie im Hollywoodfilm auf romantisch überhöhte Weise dargestellt (zum Beispiel in „Die Rote Flut“ 1984 und das Remake „Red Dawn“ 2012), tun sich militärische Eroberer mit zivilem Widerstand schwer, wenn der sich auf ortskundige, gut motivierte und bewaffnete Verteidiger stützt. Die schmerzhaften Niederlagen der Amerikaner in Vietnam und der Russen in Afghanistan liefern reale Bestätigungen dieser Filmfiktion. Im Spielfilm fügt eine Gruppe unerschrockener Jugendlicher („Wolverines“), die aus den Wäldern rund um die Kleinstadt Calumet im gebirgigen Colorado operieren, den russischen und kubanischen Invasoren empfindliche Verluste zu. Es ist diese Art von Widerstand, die Yamamoto in seiner Vision für den Fall einer Invasion japanischer Truppen in den USA hat kommen sehen. Individuelle Wehrhaftigkeit bildet die Basis der nationalen Selbstbehauptung und zur Abwehr militärischer Aggressionen.

Österreich und Deutschland
In Österreich hat sich anlässlich einer im Jahr 2013 abgehaltenen Volksbefragung eine große Mehrheit (59,7 Prozent, bei einer Wahlbeteiligung von 52,4 Prozent) für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht ausgesprochen. Das bedeutet zugleich auch ein klares Bekenntnis zur Volksbewaffnung, wie sie selbst von den Sozialisten in den Anfangsjahren ihrer Bewegung gefordert wurde. Dieser Tage machen die Linken sich indes für ein Berufsheer – einen bewaffneten Staat im Staate – stark, was mit ihren Bestrebungen zur möglichst weitgehenden Entwaffnung aller Privatpersonen Hand in Hand geht. Befürworter des Milizgedankens und Kritiker eines Berufsheeres wenden ein, dass eine Söldnerarmee die Regierung eher zur Führung eines Krieges gegen die eigenen Bürger denn zur militärischen Verteidigung nach außen befähigt. Denn wer nicht imstande ist, mit einer Waffe umzugehen, weil die Regierung ihm deren Besitz verbietet, wird nicht nur verteidigungsunfähig, sondern auch wehrunwillig, weil er den Erhalt seiner Sicherheit vollständig an den Staat delegiert. Dessen Führer und Diener aber verfolgen primär ihre eigenen Interessen – und nicht die der Bürger.
Wie im Großen, so im Kleinen: Damit Deutschland nie wieder Krieg führen könne, sollte es mit dem Diktat von Versailles entwaffnet werden. Das hat bekanntlich nicht lange gut geklappt. Entwaffnung funktioniert nämlich nur, wenn der zur Wehrlosigkeit Verdammte sich das auch gefallen lässt. Das tut in deutschen Landen zurzeit nur die Mehrheit derjenigen, die schon länger hier leben. Viele andere dagegen geben nichts auf Waffengesetze. Die werden regelmäßig dann Makulatur, wenn man die Falschen entwaffnet.

Dieser Text ist soeben im Magazin eigentümlich frei Nr. 204 erschienen


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